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Der Graue Star: Teil 4 von 4

Mein Weg zur neuen Brille
Susanne versinkt in einem Meer voller Brillen. Sie streckt die Arme aus und freut sich.
Acht Wochen nach der Operation erfolgte mein Besuch beim Augenoptiker. Sechs bis acht Wochen dauert es etwa, bis sich das Auge an die neue Linse gewöhnt hat und die Narben an den implantierten Linsen verheilt sind. Erst dann machen Messungen und weitere Maßnahmen Sinn.

Anamnese und Augenmessungen nach einer „Grauer Star"-Operation

Die Anamnese beinhaltet:
  • Das Gespräch über die Vorbereitung, den Verlauf und die Nachuntersuchung nach der Operation
  • Die Untersuchung des vorderen Augenabschnitts
  • Die subjektive Augenglasbestimmung für die Ferne und die Nähe
  • Den objektiven Sehtest mithilfe eines Autorefraktometers

Objektive und subjektive Augenmessungen

Nach der Anamnese folgen gründliche Augenmessungen.
Objektiv bedeutet, dass die Sehstärke mittels eines Gerätes (Autorefraktometer) ohne die eigene Mithilfe gemessen wird. Subjektiv bedeutet, dass sie aktiv durch die eigene Rückmeldung gemessen wird.
Autorefraktometer - wird genutzt zur objektiven Sehmessung - KI generiert.
Dieses Foto wurde mit Hilfe von KI erstellt
Beim subjektiven Sehtest bekommt man eine Messbrille aufgesetzt oder einen Phoropter, eine augenoptische Apparatur. Man blickt dort hindurch auf eine Sehtafel mit Buchstaben, Zahlen oder Ringen und vergleicht verschiedene Gläser.
Messbrille zur subjektiven Sehprüfung - KI generiert
Dieses Foto wurde mit Hilfe von KI erstellt

Der Ablauf bei mir persönlich

Vorausschicken möchte ich, dass die Gespäche und die äußerst gründlichen Augenmessungen, die der Augenoptiker bei mir durchgeführt hatte, viel Zeit in Anspruch genommen haben.

Die Anamnese

Zuerst untersuchte mein Augenoptiker mittels einer Spaltlampe den vorderen Augenabschnitt. Das heißt, er schaute mit Licht und Vergrößerung zuerst am unteren, dann am oberen Lidrand nach:
  • Wie es um meine Tränenflüssigkeit steht
  • Wie der Tränenmeniskus aussieht
  • Was in den Meibom-Drüsen zu erkennen ist (sind sie klar, verkapselt oder bräunlich verfärbt?)
  • Wie Augenwimpern, Bindehaut und die darunterliegende Lederhaut beschaffen sind, ob es zum Beispiel Ödeme gibt
  • Wie der Limbus-Bereich aussieht, ob er eventuell Sprossungen aufweist
  • Ob die Hornhaut ausreichend benetzt ist
  • Ob die Augenlinse klar ist und die kleinen Schnitte auf der Bindehaut nach der Operation gut verheilt sind
Nachdem beide Augen auf diese Weise gründlich untersucht worden waren, wurde alles akribisch notiert und festgehalten.

Die Messergebnisse

Durch die objektive Messung konnte der Augenoptiker feststellen, was in meinem Fall durch den Messgeräteeinsatz an Restfehlsichtigkeit für die Ferne noch vorhanden ist.
Ich stellte ihm die Frage, was es bedeutet, wenn mir die Augenärztin in der Nachuntersuchung sagte, dass ich nun wieder 100 % habe. Was für mich wie eine freudige Nachricht wirkte, warf bei meinem Augenoptiker eher Fragen auf: Bedeutet 100 % Sehfähigkeit vor oder nach der Korrektur? Habe ich demzufolge 100 % mit einer Brille oder ohne?
Nach der objektiven und subjektiven Messung konnte mir mein Augenoptiker sagen, dass ich nach der Operation noch eine geringe, zu korrigierende Fehlsichtigkeit in der Ferne habe.
Eine Brillenfassung hatte ich mir schon lange zuvor ausgesucht und nachdem die passenden Gläser darin eingearbeitet wurden, sieht meine Brille nun so aus:

Lidrand und Lidschlag: ein Gespräch, das mir die Augen geöffnet hat

Mein Augenoptiker erzählte mir in unserem Gespräch etwas, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Das filigrane Zusammenspiel von Lidrand und Lidschlag und wie warum ein vollständiger Lidschluss so wichtig ist.

Ein vollständiger Lidschluss

Zunächst die gute Nachricht für mich persönlich: Ich habe einen vollständigen Lidschluss. Mein Augenoptiker erklärte mir, was dabei genau passiert. Das Oberlid legt etwa zwei Drittel des Weges von oben zurück, das Unterlid steuert das restliche Drittel von unten bei. Erst wenn sich Ober- und Unterlid tatsächlich berühren, setzt die Haupttränendrüse, die Glandula lacrimalis, ihr Sekret frei. Dieses wird anschließend an die Meibom-Drüsen weitergegeben, die ringförmig um die Lider liegen.
Darstellung des perfekten Lidschlags des Auges - KI generiert
DieseDarstellung wurde mit Hilfe von KI erstellt

Warum ein echter Lidschlag mehr ist als bloßes Wischen

Entscheidend ist dabei ein echter Lidschlag statt eines bloßen „Wischens", denn nur so wird die vordere Augenoberfläche wirklich benetzt. Mein Augenoptiker verglich das anschaulich mit einem Scheibenwischer am Auto: Lässt man bei einer dreckigen Windschutzscheibe die Scheibenwischer ohne Wasserzufuhr laufen, reibt man die Partikel nur trocken über das Glas. Umgemünzt auf das Auge heißt das, es entstehen kleine Körnchen und leichte Reibeverletzungen durch ein solches unvollständiges Wischen. Eine mögliche Ursache für trockene Augen.
In diesem Zusammenhang erklärte er mir auch die fünf Schichten der Hornhaut: Epithel, Bowman-Membran, das dicke Stroma, Descemet-Membran und Endothel. Die oberste Zellschicht erneuert sich zwar schon nach etwa vier Stunden, eine dauerhafte Reibung kann aber trotzdem dafür sorgen, dass ein diffuser Reflex auf der Hornhaut zurückbleibt.

Die Drüsen als kleine Auslassventile

Bei jedem Lidschlag fungieren die Drüsen wie kleine Auslassventile. Durch das ständige Öffnen und Schließen der Lider verteilen sie die Flüssigkeit gleichmäßig über die Augenoberfläche. Nur durch diese gleichmäßige Verteilung wird die Hornhaut neben Sauerstoff auch mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt, die Grundvoraussetzung für eine klare Sicht ohne Einschränkungen.

Der Tränenfilm und seine drei Schichten

Zum Schluss beurteilte mein Augenoptiker noch den tränenden Diskus am unteren Lidrand. Bei mir verlief dieser sehr homogen, weder unterbrochen noch übergequollen. Anhand dessen erklärte er mir die drei Schichten des Tränenfilms:
  1. Die äußere, fettige Schicht schützt die Tränenflüssigkeit vor dem schnellen Verdunsten.
  2. Die mittlere, wässrige Schicht ist die eigentliche Hauptflüssigkeit aus der Tränendrüse.
  3. Die hintere, balsamartige Schicht ist creme- und fettähnlich. Sie mildert kleine Mikroverletzungen ab und sorgt für ein angenehmes Gefühl.
Wenn Sie selbst unter trockenen Augen leiden, lohnt sich ein Blick in den Gastartikel von Ramona Ender: Dort geht es genau um diesen Zusammenhang zwischen Lidrandpflege und der Gesundheit Ihrer Augen.
Darstellung eines gesunden Tränenfilms - KI generiert
DieseDarstellung wurde mit Hilfe von KI erstellt

Mein Empfinden am Ende meiner Reise: von der ersten Augenuntersuchung über die Operation bis zur neuen Brille

Ganz klar: Ich bin froh darüber, dass alles vorüber ist. Wie Sie in dieser Fallstudie mitverfolgen konnten, begleiteten mich zwei Augenoptiker: Ein Experte im optometrischen Screening in der gesamten Vorphase bis zur Operation und mein langjähriger, inzwischen mobiler Augenoptiker, seit der Zeit nach der Operation.
Wenn Sie je über das Thema „Grauer Star" sprechen, werden Sie immer wieder hören: „Grauer Star? Das ist doch gar kein Problem heutzutage." Aber so ist es nicht. Es ist immerhin ein Eingriff, und es ist ein Eingriff, dessen Erfolg nicht nur von der ärztlichen Kunst abhängt, sondern maßgeblich auch von der eigenen Entscheidung über die zu implantierenden Linsen. Da das für mich mit vielen Zweifeln verbunden war, habe ich diesem Thema im Teil 3 meines Erlebnisberichts einen besonders großen Platz eingeräumt.
Mit der Monofokallinse habe ich für mich die richtige Entscheidung getroffen. Ich kann hervorragend in die Ferne schauen, und auch das Nacht- und Kontrastsehen funktionieren wieder gut. Dass ich jetzt eine Lesebrille für sehr kleine Schriften benötige, ist noch ungewohnt, aber gut auszuhalten.
Hier können Sie noch einmal zu Teil1, Teil 2 und Teil 3 meines Erlebnisberichts zurückspringen.
Ein Hinweis in eigener Sache: Das hier ist mein ganz persönlicher Weg durch die Grauer-Star-Operation, keine allgemeingültige medizinische Empfehlung. Jedes Auge, jede Diagnose und jede Entscheidung für eine Linse ist individuell. Was bei mir gut funktioniert hat, muss nicht automatisch auf Sie zutreffen, sprechen Sie über Ihre eigene Situation bitte immer mit Ihrem Augenarzt oder Optometristen. Bei akuten Beschwerden oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.