Zum Inhalt springen

Der Graue Star: Teil 3 von 4

Die Operation: Von der Voruntersuchung über den Linsen-Krimi bis zum Tag der Operation
Grauer Star - Voruntersuchung und OP. Zu sehen ist ein OP-Raum mit dem Portraitfoto von Susanne Richter
Nach der Verdachtsdiagnose beim Augenoptiker und der Bestätigung durch die Augenärztin wurde es ernst: Die Termine für die Operationen an beiden Augen wurden im Abstand von 14 Tagen geplant. Doch vor dem eigentlichen Eingriff stand ein wahrer Entscheidungs-Marathon bevor. Welches OP-Verfahren ist das beste? Und vor allem: Welche künstliche Linse passt zu meinem Leben?
In diesem Teil nehme ich Sie mit in die Phase der OP-Vorbereitung und zeige Ihnen, warum die Linsenauswahl zu einer echten strategischen Entscheidung wurde.

Die Voruntersuchung: Der medizinische Geräte-Parcours

Bevor ein Chirurg ein Auge operiert, benötigt er sehr präzise Daten. Bei der umfassenden Voruntersuchung in der Augenklinik wurden folgende Schritte durchlaufen:
  • Die Biometrie: Die lasergestützte Vermessung des Augapfels, um die exakten optischen Werte für die künstliche Linse zu ermitteln.
  • Der Basis-Check: Prüfung der Hornhautdicke, des Augeninnendrucks sowie die Kontrolle von Sehnerv und Netzhaut.
  • Die Pupillenerweiterung: Mittels spezieller Augentropfen wird die Pupille maximal geöffnet, damit der Arzt die körpereigene Linse und den Augenhintergrund lückenlos beurteilen kann.
Der Netzhaut-Check (OCT): In meinem Fall wurde zusätzlich eine Optische Kohärenztomografie (OCT) durchgeführt. Für gesetzlich Versicherte ist dies eine sogenannte IGeL-Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung), die man selbst bezahlen muss. Doch diese Investition lohnt sich: Das OCT liefert hochpräzise Querschnittsbilder der Netzhaut. So wird ausgeschlossen, dass eine unentdeckte Netzhauterkrankung (wie eine Makuladegeneration) das spätere OP-Ergebnis schmälert.
Zusätzlich forderte die Klinik zur Absicherung der OP-Tauglichkeit Befunde von meinem Hausarzt an: Ein aktuelles EKG, eine Blutdruckmessung und ein Labor-Blutbild waren Pflicht.

Das Aufklärungsgespräch: Der „Linsen-Krimi" und die Zielrefraktion

Das wichtigste Gespräch mit dem operierenden Augenarzt dreht sich um die sogenannte Zielrefraktion. Das bedeutet vereinfacht: Wie wollen Sie nach der Operation im Alltag sehen?
Als künstliche Linsen (Intraokularlinsen, kurz IOL) stehen heute im Wesentlichen drei Kategorien zur Auswahl:
  1. Monofokallinsen (Standard): Einstärkenlinsen, die das Sehen auf eine bestimmte Entfernung (meistens die Ferne) messerscharf korrigieren. Für andere Entfernungen ist danach weiterhin eine Brille nötig.
  2. Multifokallinsen / Trifokallinsen (Premium): Mehrstärkenlinsen, die das Licht so brechen, dass man im Idealfall in der Ferne, im Zwischenbereich (PC) und in der Nähe (Lesen) komplett brillenfrei wird.
  3. EDoF-Linsen (Extended Depth of Focus): Linsen mit einem erweiterten Schärfenbereich. Sie bieten einen stufenlosen Übergang von der Ferne bis in den Zwischenbereich (z. B. für die Computerarbeit).

Pro und Contra: Wozu mir Augenärzte und Optometristen rieten

Da ich beruflich stark mit der Augenoptik-Branche vernetzt bin, konnte ich im Vorfeld im besten Sinne „Expertisen-Hopping" betreiben. Von klassischen Multifokallinsen wurde mir aufgrund potenzieller Kompromisse beim Sehkomfort (wie Kontrastverlust oder Blendungen bei Nacht) abgeraten, auch wenn moderne Trifokallinsen hier laufend Fortschritte machen.
Es blieb das Duell: Monofokallinse versus EDoF-Linse.
Die Präferenz des Augenarztes: Der Operateur riet mir zur klassischen Monofokallinse, eingestellt auf die Ferne. Seine Begründung: Hier erziele ich die höchste optische Abbildungsqualität und Kontrastschärfe ohne optische Nebenwirkungen. Da ich ohnehin mein Leben lang an das Tragen einer Brille (früher wegen Kurzsichtigkeit, später Gleitsicht) gewöhnt war, war es für mich kein Problem, auch nach der OP für bestimmte Distanzen eine maßgeschneiderte Brille zu nutzen.
Die Perspektive der Optometrie: Einige Kollegen aus der Optik empfahlen die EDoF-Linse, da sie im Alltag mehr Flexibilität im Zwischenbereich (z. B. beim Blick auf das Dashboard im Auto oder den PC-Monitor) bietet. Ein sehr erfahrener Optometrist gab mir einen sehr interessanten und entscheidenden Impuls für meine finale Entscheidung: „Wenn du eine EDoF-Linse wählst und mit den optischen Kompromissen oder Nebeneffekten unzufrieden bist, können wir diese mit einer Brille später kaum noch ausgleichen. Bei einer Monofokallinse hingegen können wir im Nachgang mittels einer exakt abgestimmten Gleitsichtbrille den perfekten, gewohnten Sehkomfort für alle Lebenslagen aufbauen."
Meine Entscheidung fiel daher auf die Monofokallinse, abgestimmt auf maximale Schärfe in der Ferne. Als ehemals Kurzsichtige musste ich mich im Alltag zwar umstellen, denn das Kleingedruckte auf dem Smartphone oder das Datum auf der Armbanduhr erfordern nun eine Lesehilfe. Aber die optische Brillanz in der Ferne ist phänomenal.

Die OP-Methode: Femtosekundenlaser oder traditionelles Skalpell?

Eine weitere Option bei modernen Katarakt-Operationen ist der Einsatz eines Femtosekundenlasers. Dieser übernimmt hochpräzise Teilschritte der Operation, die sonst vom Chirurgen manuell ausgeführt werden (eine reine Privatleistung).
Im Vorfeld hatten mir viele Experten zu diesem Laserverfahren geraten. Als ich meinen operierenden Arzt darauf ansprach, erklärte er mir jedoch ganz offen, dass er in seiner Praxis ausschließlich das traditionelle, manuelle Standardverfahren (mittels Ultraschall) durchführt.
Ich kam kurz ins Grübeln: Sollte ich die Praxis wechseln? Ich entschied mich dagegen. Mein Fazit heute: Ich bin froh, wie es gelaufen ist. Wenn ein Chirurg sein Handwerk manuell tausendfach perfektioniert hat, gilt das traditionelle Verfahren als sehr sicher und liefert in aller Regel exzellente Ergebnisse. Der Mensch am Instrument ist oft wichtiger als die Maschine.

Der Tag der Wahrheit: Die Operation am ersten Auge

Die Angst vor dem Eingriff ist völlig normal, aber rückblickend unbegründet. Die Operation selbst war für mich vollkommen schmerzlos. Das deckt sich auch mit Erfahrungen vieler, die ich dazu vor der Operation befragt hatte. Das Auge wird durch Tropfen komplett betäubt, man spürt lediglich ein leichtes Ruckeln und sieht während des kurzen, etwa 15-minütigen Eingriffs nur helles Licht und Farben.
Schon am Tag nach der OP, als der Verband am rechten Auge abgenommen wurde, kam der Wow-Effekt: Die Welt war plötzlich nicht mehr gelb-stichig und trüb, sondern erstrahlte in einer unglaublichen Helligkeit und Farbintensität, die ich völlig vergessen hatte!
Nach der grauen Star Operation. Susanne mit Augenbinde

Wie es nun für mich weitergeht: Bleiben Sie Teil meiner Reise!

Die Operationen sind überstanden, die Welt ist wieder hell und scharf. Doch die Reise ist noch nicht ganz zu Ende. Aktuell befinde ich mich in der wichtigen Heilungsphase (ca. 8 Wochen nach der OP). Erst wenn sich die Augen komplett stabilisiert haben, schlägt die Stunde meines Augenoptikers: Dann wird meine finale, maßgeschneiderte Gleitsichtbrille angepasst, die mir den perfekten Sehkomfort zurückgibt.
Nach acht Wochen hatte ich dann einen Termin beim Augenoptiker.
Im nächsten Teil schildere ich, welche Untersuchungen und Sehtests mein Augenoptiker bei mir vornimmt und mein Fazit nach mehreren Monaten mit den neuen Linsen.
Hier nochmal zurück zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.
Ein Hinweis in eigener Sache: Das hier ist mein ganz persönlicher Weg durch die Grauer-Star-Operation, keine allgemeingültige medizinische Empfehlung. Jedes Auge, jede Diagnose und jede Entscheidung für eine Linse ist individuell. Was bei mir gut funktioniert hat, muss nicht automatisch auf Sie zutreffen, sprechen Sie über Ihre eigene Situation bitte immer mit Ihrem Augenarzt oder Optometristen. Bei akuten Beschwerden oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.
Profil-Porträt von Susanne Richter
Susanne Richter
Susanne Richter ist Gründerin der Online-Plattform Optikersuche-Ratgeber. Als langjährige Online-Marketerin hat sie zahlreiche Augenoptiker beraten und dabei erlebt, dass sich die Branche der Augenoptiker in einem Wandel vom rein handwerklich geprägten Beruf zu Gesundheitsdienstleistern befindet. Der damit verbundene gewaltige Qualitätssprung als echter Mehrwert für Optiker-Kunden ist vielen Menschen noch gar nicht bewusst. Qualifizierten Augenoptikern fällt es zudem oft schwer, ihre eigenständigen optometrischen Screening-Leistungen sichtbar zu machen. Mit Optikersuche-Ratgeber sollen Menschen erfahren, wie wertvoll moderne Augenoptik mit optometrischem Schwerpunkt ist, und auch den Weg aufgezeigt bekommen, den passenden, inhabergeführten Augenoptiker in ihrer Nähe zu finden.
Hier mehr über die Idee "Optikersuche-Ratgeber" erfahren