Sklerallinsen sind eine medizinische Spezialversorgung für Fälle, in denen Standardlinsen oder eine Brille keine ausreichende Lösung mehr bieten.
Bei Keratokonus, einer Erkrankung, bei der sich die Hornhaut zunehmend kegelförmig vorwölbt, gleicht das Flüssigkeitsdepot die entstandenen Unebenheiten aus. Das gilt auch nach Hornhauttransplantationen oder bei anderen Hornhaut-Dystrophien. Eine im DOZ-Portal berichtete Untersuchung aus Indien legt zudem nahe, dass Sklerallinsen bei Keratokonus den oxidativen Stress im Auge senken. Die gemessenen Werte reaktiver Sauerstoffspezies sanken bereits nach sechs Stunden Tragezeit, besonders deutlich nach einem Monat. Die Studie deutet an, dass Sklerallinsen dadurch möglicherweise das Fortschreiten von Keratokonus verlangsamen können, neben der unmittelbaren Verbesserung von Sehschärfe und Beschwerden. Wie eine Kontaktlinsenversorgung bei Keratokonus im Detail abläuft, auch mit kleineren formstabilen Linsen vor dem Schritt zur Sklerallinse, erklärt der ausführliche Beitrag dazu.
Bei extremen Benetzungsstörungen kommen Sklerallinsen ebenfalls in Betracht, etwa bei einem ausgeprägten Sicca-Syndrom, beim Sjögren-Syndrom oder bei einer Graft-versus-Host-Erkrankung. Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die unter anderem die Tränendrüsen austrocknet. Eine Graft-versus-Host-Erkrankung ist eine Immunreaktion nach einer Stammzelltransplantation, die auch die Augen betreffen kann. In all diesen Fällen taucht die Hornhaut dauerhaft in die Flüssigkeitskammer der Linse ein. Das sorgt für eine kontinuierliche Befeuchtung und lindert Schmerzen, Brennen und Blendungsgefühle spürbar. Die Diagnose und Behandlung dieser Grunderkrankungen liegt beim Augenarzt beziehungsweise den mitbehandelnden Fachärzten. Der spezialisierte Augenoptiker übernimmt allein die Anpassung der Sklerallinse.
Auch wenn herkömmliche formstabile Linsen auf der Hornhaut festkleben und Gewebeschäden hinterlassen, bieten Sklerallinsen eine verträgliche Alternative. Dasselbe gilt bei extremer Kurzsichtigkeit, wenn andere Linsenarten an ihre Grenzen stoßen. Bei reinen Oberflächenunregelmäßigkeiten ohne schwere Trockenheitsproblematik gelten kleinere corneale Linsen meist weiterhin als erste Wahl, weil sie die Hornhaut besser mit Sauerstoff versorgen.