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Sehübungen bei Konvergenzinsuffizienz: Zwei Trainingsformen mit belegter Wirkung

Verfasst von Susanne Richter, Gründerin von Optikersuche-Ratgeber, auf Grundlage von Fachliteratur, Leitlinien und dem Austausch mit Augenoptikern, Augenärzten und Dozenten aus den Bereichen Wissenschaft und Lehre.
Artikelfoto zu Augenübungen - KI generiert
Dieses Foto wurde mit Hilfe von KI erstellt
Inhalt:
  • Warum gerade diese Trainingsformen helfen
  • Pencil-Push-up-Training: So funktioniert es
  • Brock-String-Training: ein Baustein der fachlich begleiteten Therapie
  • Ein Praxisbeispiel
  • Wie oft und wie lange üben
  • Weitere Übungen ohne spezifischen Wirksamkeitsnachweis
  • Wann Übungen allein nicht reichen
  • Die kurze Antwort
Konvergenzinsuffizienz ist eine Schwäche der Augenmuskeln, die dafür zuständig sind, dass sich beide Augen beim Nahsehen gleichzeitig nach innen drehen und denselben Punkt anvisieren. Diese Muskeln arbeiten dabei nicht zuverlässig zusammen. Eine Brille korrigiert das nicht, weil sie an der Brechkraft ansetzt, nicht an der Muskelkoordination.
Der CISS-Fragebogen oder eine fachliche Rückmeldung deutet oft schon auf eine Konvergenzinsuffizienz hin. Viele fragen sich dann als Erstes: Was kann ich jetzt konkret tun? Zwei Trainingsformen sind dazu besonders gut untersucht: das Pencil-Push-up-Training als häusliche Übung und ein fachlich begleitetes Vergenz- und Akkommodationstraining in der Praxis, bei dem unter anderem die Brock-Schnur zum Einsatz kommt.

Warum gerade diese Trainingsformen helfen

Pencil-Push-up-Training und das fachlich begleitete Vergenztraining setzen genau bei dieser Muskelkoordination an. Beide fordern die Augen wiederholt dazu auf, präzise auf einen Punkt einzudrehen, auch wenn er sich annähert oder wechselt. Diese Wiederholung trainiert die Muskelsteuerung, ähnlich wie gezieltes Krafttraining einen einzelnen Muskel stärkt.
Die Studie Convergence Insufficiency Treatment Trial, kurz CITT, belegt die Wirkung. Forscher um Mitchell Scheiman veröffentlichten die kontrollierte Studie mit Kindern und Jugendlichen mit symptomatischer Konvergenzinsuffizienz 2008. Beim häuslichen Pencil-Push-up-Training als alleiniger Maßnahme zeigte sich bei rund 43 Prozent der Teilnehmenden eine erfolgreiche oder verbesserte Symptomatik. Beim büro-basierten, fachlich begleiteten Vergenz- und Akkommodationstraining mit zusätzlicher häuslicher Übung lag die Quote bei rund 73 Prozent.

Pencil-Push-up-Training: So funktioniert es

Dabei wird ein kleiner Zielpunkt, zum Beispiel die Spitze eines Bleistifts oder ein gedruckter Buchstabe, in Armlänge vor die Nase gehalten. Der Zielpunkt wird langsam angenähert, während er dabei möglichst einfach und scharf gesehen werden soll. Sobald er sich verdoppelt oder unscharf wird, wird die Übung kurz unterbrochen und von vorn begonnen. Diese Wiederholung trainiert gezielt die Fähigkeit, die Augen auch bei kurzer Distanz koordiniert nach innen zu richten.
Zu sehen ist der ablauf der Augenübung:Pencil-Push-up-Training - KI generiert
Dieses Bild wurde mit Hilfe von KI erstellt

Brock-String-Training: ein Baustein der fachlich begleiteten Therapie

Für das Brock-String-Training braucht es eine einfache Schnur mit mehreren Knoten in unterschiedlichen Entfernungen von der Nasenspitze, etwa bei 30 und bei 80 Zentimetern. Der Blick wechselt gezielt zwischen den Knoten. Diese Übung ist eine von mehreren Techniken, die in einem fachlich begleiteten Vergenz- und Akkommodationstraining eingesetzt werden, und stärkt die Einwärtswendung der Augen sowie das räumliche Sehen.
zu sehen der Ablauf eines Augentrainings mit der Bezeichung Augentraining-Brock-String-Training - KI generiert
Dieses Bild wurde mit Hilfe von KI erstellt

Ein Praxisbeispiel

Ein Büroangestellter klagt seit Wochen über brennende Augen und Kopfschmerzen am späten Nachmittag, obwohl seine Bildschirmbrille frisch angepasst ist. Ein Optometrist stellt per CISS-Fragebogen und anschließender Funktionsprüfung eine Konvergenzinsuffizienz fest.
Nach einigen Wochen mit begleiteter Übungstherapie, in der unter anderem Pencil-Push-up- und Brock-String-Übungen zum Einsatz kommen, lassen die Kopfschmerzen spürbar nach. Die Bildschirmarbeit fällt ihm merklich leichter.

Wie oft und wie lange üben

Als Erfahrungswert aus der Sehschul-Praxis gilt: kurze, aber regelmäßige Einheiten wirken zuverlässiger als seltenes, langes Training. Wie lange es im Einzelfall dauert, bis eine Besserung spürbar wird, hängt von der individuellen Ausprägung ab. Das sollte mit der begleitenden Fachperson abgestimmt werden.

Weitere Übungen ohne spezifischen Wirksamkeitsnachweis

Neben Pencil-Push-up- und Brock-String-Training kursieren zahlreiche weitere Augenübungen, etwa zur allgemeinen Augenentspannung. Für viele dieser Übungen fehlt bislang ein spezifischer Wirksamkeitsnachweis bei Konvergenzinsuffizienz. Wer sie zusätzlich ausprobiert, sollte nicht dieselbe gezielte Wirkung erwarten wie bei den beiden oben beschriebenen Trainingsformen.

Wann Übungen allein nicht reichen

Ein auffälliger CISS-Wert und regelmäßiges Üben ersetzen keine fachliche Begleitung. Eine genaue Funktionsprüfung der Augenmuskeln gehört in die Hände eines Optometristen oder Augenarztes. Die Studienzahlen oben zeigen deutlich, warum das wichtig ist: Fachlich begleitetes Training erhöht die Erfolgschance erheblich.
Bei Kindern gilt das besonders. Anhaltende Beschwerden trotz Übungen sollten immer fachlich abgeklärt werden.

Die kurze Antwort

Pencil-Push-up-Training als häusliche Übung und ein fachlich begleitetes Vergenz- und Akkommodationstraining in der Praxis, bei dem unter anderem Brock-String-Übungen zum Einsatz kommen, sind die am besten untersuchten Ansätze bei Konvergenzinsuffizienz. Eine kontrollierte Studie zeigt: Als alleiniges häusliches Pencil-Push-up-Training verbessern sich die Beschwerden bei rund 43 Prozent, bei fachlich begleiteter Therapie in der Praxis bei rund 73 Prozent der Betroffenen. Weitere kursierende Augenübungen haben keinen spezifischen Wirksamkeitsnachweis bei diesem Beschwerdebild. Bleiben die Beschwerden trotz Übungen bestehen, ist eine fachliche Abklärung bei einem Optometristen oder Augenarzt der richtige nächste Schritt. Was eine Konvergenzinsuffizienz genau ist und wie der CISS-Fragebogen als erster Anhaltspunkt funktioniert, erklärt der ausführliche Übersichtsartikel.
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Optikersuche-Ratgeber hilft Menschen mit Sehproblemen dabei, moderne Augenoptik zu verstehen, informierte Entscheidungen zu treffen und qualitätsorientierte Augenoptiker ihres Vertrauens zu finden.
Wichtiger Hinweis (Medizinischer Disclaimer): Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Aufklärung und allgemeinen Information. Ein optometrisches Screening ist eine physikalisch-technische Funktionsprüfung und stellt keine medizinische Diagnose oder Therapie dar. Bei akuten Beschwerden, Schmerzen oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.
Quelle: Scheiman M. et al., „Randomized Clinical Trial of Treatments for Symptomatic Convergence Insufficiency in Children", Convergence Insufficiency Treatment Trial (CITT), 2008
Porträt von Susanne Richter
Susanne Richter
Susanne Richter ist Gründerin der Online-Plattform Optikersuche-Ratgeber. Als langjährige Online-Marketerin hat sie zahlreiche Augenoptiker beraten und dabei erlebt, dass sich die Branche der Augenoptiker in einem Wandel vom rein handwerklich geprägten Beruf zu Gesundheitsdienstleistern befindet. Der damit verbundene gewaltige Qualitätssprung als echter Mehrwert für Optiker-Kunden ist vielen Menschen noch gar nicht bewusst. Qualifizierten Augenoptikern fällt es zudem schwer, ihre eigenständigen optometrischen Screening-Leistungen sichtbar zu machen. Mit Optikersuche-Ratgeber sollen Menschen erfahren, wie wertvoll moderne Augenoptik mit optometrischem Schwerpunkt ist, und auch den Weg aufgezeigt bekommen, den passenden, inhabergeführten Augenoptiker in ihrer Nähe zu finden.