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Nachtlinsen (Orthokeratologie): Tagsüber scharf sehen ohne Brille

Verfasst von der Redaktion von Optikersuche-Ratgeber auf Grundlage von Fachliteratur, Leitlinien und dem Austausch mit Augenoptikern, Augenärzten und Dozenten aus den Bereichen Wissenschaft und Lehre.
Abbildung von Ortho-K Linsen - KI generiert
Dieses Foto wurde mit Hilfe von KI erstellt
Orthokeratologie-Linsen, kurz Ortho-K oder Nachtlinsen, werden ausschließlich im Schlaf getragen. Sie modellieren die Hornhautoberfläche kontrolliert im Mikrometerbereich um, sodass nach dem Entfernen am Morgen den ganzen Tag über scharfes Sehen ohne Brille oder Tageskontaktlinse möglich ist.

Wie Nachtlinsen wirken

Die formstabilen Linsen verändern während der Nachtruhe gezielt die Form der Hornhautoberfläche, die Hornhauttopographie. Diese Umformung bleibt nach dem Entfernen der Linse am Morgen über den Tag hinweg bestehen. Erst im Laufe der folgenden Nacht baut sich der Effekt wieder ab, weshalb die Linsen regelmäßig getragen werden müssen.

Für wen sich Nachtlinsen eignen

Wer tagsüber keine Sehhilfe tragen möchte, profitiert vor allem beim Sport und bei anderen Freizeitaktivitäten: Fremdkörpergefühl, Verrutschen oder der Verlust einer Linse entfallen. Auch bei Bildschirmarbeit kann das Verfahren eine Erleichterung sein. Die trockenen Augen, die bei herkömmlichen Tageskontaktlinsen am Bildschirm häufig auftreten, bleiben aus.

Nachtlinsen bei Kindern: Myopie-Management

Neben der Sehkorrektur bei Erwachsenen setzen Augenoptiker Nachtlinsen gezielt ein, um das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen zu verlangsamen. Passt Ortho-K im Einzelfall nicht, stehen für dieses sogenannte Myopie-Management alternative Versorgungen zur Verfügung, etwa spezielle Tageslinsen.
Kleines Mädchen mit Ortho-K Linsen -KI generiert
Dieses Foto wurde mit Hilfe von KI erstellt

Eine reversible Alternative

Ortho-K ist nicht-invasiv und vollständig reversibel: Wird das Tragen beendet, kehrt die Hornhaut in ihre ursprüngliche Form zurück. Für manche Menschen kann das Verfahren deshalb eine Alternative zu einer Laser-Operation sein, ersetzt sie aber nicht in jedem Fall. Ob Ortho-K oder eine Operation infrage kommt, hängt von der individuellen Augensituation ab.

Welche Risiken zu beachten sind

Das schwerwiegendste Risiko ist die mikrobielle Keratitis, eine durch Bakterien, Viren oder Amöben verursachte Hornhautentzündung. Unbehandelt kann sie zu dauerhaften Sehschäden, Vernarbungen oder im Extremfall zur Erblindung führen. Laut retrospektiven Studien tritt sie bei etwa 7,7 von 10.000 Tragejahren auf, ein Risiko in ähnlicher Größenordnung wie beim durchgehenden nächtlichen Tragen herkömmlicher weicher Kontaktlinsen. Hauptursache ist fast immer unsachgemäße Reinigung, etwa die Verwendung von Leitungswasser statt geeigneter Pflegemittel. Bei Rötung, Schmerzen oder plötzlicher Sehverschlechterung während des Tragens ist umgehend augenärztliche Hilfe nötig, da eine mikrobielle Keratitis rasch behandelt werden muss.
Unter den geschlossenen Augenlidern sinkt die Sauerstoffzufuhr zur Hornhaut. Das kann zu einer leichten Hornhautschwellung führen. Durch Reibung der formstabilen Linse oder unvorsichtiges Abnehmen am Morgen können außerdem kleinste Oberflächenverletzungen entstehen, die Keimen als Eintrittspforte dienen können. Gelegentlich sitzt die Linse nach dem Aufwachen durch den veränderten Tränenfilm zunächst fest. Ein gewaltsames Entfernen kann dann schmerzhafte Hornhautschäden verursachen. Eine festsitzende Linse sollte deshalb zunächst mit Benetzungstropfen gelöst werden, statt sie gewaltsam abzunehmen.
Besonders in den ersten Wochen der Anpassung kann das Sehergebnis tagsüber schwanken. Bei schlechten Lichtverhältnissen oder in der Dämmerung berichten manche Anwender von verminderten Kontrasten und störenden Lichtringen um Lichtquellen.

Ein Praxisbeispiel

Ein Freizeitschwimmer trägt seit Jahren weiche Kontaktlinsen, die ihm beim Training regelmäßig verrutschen und die Augen nach dem Training austrocknen lassen. Nach der Umstellung auf Nachtlinsen trainiert er morgens ohne jede Sehhilfe im Wasser. Die ersten beiden Wochen empfindet er das Sehen tagsüber noch als leicht schwankend. Danach stabilisiert sich das Ergebnis.

Anpassung, Kontrolle und moderne Technik

Die individuelle Anpassung braucht mehrere Termine und eine genaue Vermessung der Hornhaut. Moderne Berechnungsprogramme simulieren die Linsenpassform grafisch am Auge und prüfen die Parameter in verschiedenen Achsen des Auges, den sogenannten Meridianen. Verfahren zur dreidimensionalen Vermessung des vorderen Augenabschnitts kommen zunehmend auch bei Nachtlinsen zum Einsatz, um die Rückfläche der Linse millimetergenau zu berechnen.
Wegen der beschriebenen Risiken sind regelmäßige Nachkontrollen und eine strikte Hygiene bei Reinigung und Aufbewahrung unverzichtbar.

Die kurze Antwort

Nachtlinsen werden ausschließlich im Schlaf getragen und modellieren die Hornhaut so um, dass tagsüber scharfes Sehen ohne Brille möglich ist. Sie eignen sich für Erwachsene, die brillenfrei sein wollen, und werden bei Kindern gezielt zur Verlangsamung einer fortschreitenden Kurzsichtigkeit eingesetzt. Das Verfahren ist reversibel, birgt aber reale Risiken, allen voran die mikrobielle Keratitis bei unzureichender Hygiene. Regelmäßige Kontrollen und sorgfältige Pflege senken dieses Risiko deutlich. Wie eine individuelle Kontaktlinsenanpassung grundsätzlich abläuft, erklärt der Übersichtsartikel von Hannes Ebner.
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Wichtiger Hinweis (Medizinischer Disclaimer): Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Aufklärung und allgemeinen Information. Ein optometrisches Screening ist eine physikalisch-technische Funktionsprüfung und stellt keine medizinische Diagnose oder Therapie dar. Bei akuten Beschwerden, Schmerzen oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.
Quellen:
  • NotebookLM-Recherche (Definition, Wirkungsweise, Myopie-Management, Anpasstechnik)
  • Stiftung Warentest: „Ortho-K-Linsen nicht ohne Risiko"
  • Systematische Übersichtsarbeiten zu Ortho-K-Sicherheit, PMC11192849 und PMC4697954
  • Artemis Augenkliniken, Fachmagazin
Profil-Porträt von Susanne Richter
Susanne Richter
Susanne Richter ist Gründerin der Online-Plattform Optikersuche-Ratgeber. Als langjährige Online-Marketerin hat sie zahlreiche Augenoptiker beraten und dabei erlebt, dass sich die Branche der Augenoptiker in einem Wandel vom rein handwerklich geprägten Beruf zu Gesundheitsdienstleistern befindet. Der damit verbundene gewaltige Qualitätssprung als echter Mehrwert für Optiker-Kunden ist vielen Menschen noch gar nicht bewusst. Qualifizierten Augenoptikern fällt es zudem oft schwer, ihre eigenständigen optometrischen Screening-Leistungen sichtbar zu machen. Mit Optikersuche-Ratgeber sollen Menschen erfahren, wie wertvoll moderne Augenoptik mit optometrischem Schwerpunkt ist, und auch den Weg aufgezeigt bekommen, den passenden, inhabergeführten Augenoptiker in ihrer Nähe zu finden.
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