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Kontaktlinsen bei Keratokonus

Wie eine individuell passende Versorgung entsteht
Gastartikel
Gastbeitrag von Hannes Ebner, Augenoptikermeister und Optometrist (HWK)
Logo und Kontaktdaten von Hannes Ebner, Gastautor
Hannes Ebner, Augenoptikermeister und Optometrist (HWK), Gastautor
Die Diagnose Keratokonus wirft viele Fragen auf: Warum reicht die Brille vielleicht nicht mehr aus? Welche Kontaktlinse passt zu meinem Auge? Und wie geht es nach der Anpassung weiter? Als Optometrist begleite ich Menschen mit einem augenärztlich diagnostizierten Keratokonus bei ihrer Kontaktlinsenversorgung. Hier erfahren Sie, worauf es dabei ankommt.

Was Keratokonus bedeutet

Beim Keratokonus wird die Hornhaut, das klare Fenster an der Vorderseite des Auges, stellenweise dünner und wölbt sich unregelmäßig nach vorne. Dadurch wird das Licht im Auge ungleichmäßig gebrochen. Keratokonus ist eine Erkrankung der Hornhaut und nicht mit der häufigen, gewöhnlichen Hornhautverkrümmung gleichzusetzen.
Das Sehen kann unscharf oder verzerrt werden. Manche Betroffene sehen neben Buchstaben Schatten oder leicht versetzte Doppelkonturen. Auch Blendempfindlichkeit und störende Lichtkränze können auftreten. Die Veränderungen entwickeln sich häufig allmählich; der Verlauf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Solche Beschwerden können allerdings auch andere Ursachen haben.
Darstellung von Keratokonus - KI generiert
Diese Darstellung wurde mit Hilfe von KI generiert

Zuerst sprechen wir über Ihren Alltag

Welche Beschwerden haben Sie? Was wurde beim Augenarzt festgestellt? Wie gut kommen Sie mit Ihrer bisherigen Brille oder Ihren Kontaktlinsen zurecht? Gemeinsam besprechen wir Ihre Erwartungen und Ihre Sehanforderungen bei der Arbeit und in der Freizeit. Vorbefunde, frühere Behandlungen, Medikamente, Allergien und Augenreiben gehören ebenfalls dazu.

Dann untersuchen und vermessen wir Ihre Augen

Sehschärfe und benötigte Korrektion: Wir bestimmen die passenden Korrektionswerte und prüfen, wie deutlich Sie damit sehen können.
Eine Landkarte der Hornhaut: Die Topographie zeigt die Form der Hornhautvorderfläche. Die Tomographie liefert zusätzlich Informationen zur Rückfläche und zur Dickenverteilung. Diese Messungen helfen uns, die individuelle Hornhautform zu beurteilen und die Versorgung zu planen.
Der Blick durch das Untersuchungsmikroskop: Mit der Spaltlampe untersuche ich unter anderem Lider und Lidranddrüsen, Bindehaut, Hornhaut, Iris und Augenlinse. Dabei achte ich auf Auffälligkeiten wie Rötungen, Trübungen, Narben oder Gefäße, die in die Hornhaut hineinwachsen.
Tränenfilm und Augenoberfläche: Wir prüfen möglichst berührungsfrei, wie stabil der Tränenfilm ist. Anschließend kann der Farbstoff Fluoreszein kleine Schädigungen der obersten Hornhautschicht sichtbar machen. Solche Stellen können unterschiedliche Ursachen haben. Die Hornhautvermessung und die berührungsfreie Tränenfilmprüfung erfolgen vor der Farbstoffgabe.

Welche Versorgung zu Ihrem Auge passt

In frühen Stadien kann eine Brille ausreichen. Wenn die Hornhaut stärker unregelmäßig ist, können formstabile Spezialkontaktlinsen die Sehqualität verbessern. Zwischen Linse und Hornhaut befindet sich Flüssigkeit. Zusammen mit der formstabilen Linse gleicht sie einen Teil der Unregelmäßigkeiten optisch aus.
Auch Sklerallinsen können infrage kommen. Diese größeren formstabilen Linsen überbrücken die Hornhaut mit einem Flüssigkeitsreservoir und stützen sich außerhalb der Hornhaut auf der Bindehaut über dem weißen Teil des Auges ab. Sie sind nicht ausschließlich für sehr weit fortgeschrittene Fälle gedacht. Welche Linsenart geeignet ist, hängt unter anderem von der Augenform, der erreichbaren Sehqualität und der Verträglichkeit ab. Mehr zu Sklerallinsen im Allgemeinen im ausführlichen Beitrag dazu.
Brille und Kontaktlinsen nebeneinander - KI generiert
Dieses Foto wurde mit Hilfe von KI generiert

Die Anpassung braucht sorgfältige Kontrollen

Nach dem Aufsetzen prüfen wir, wie die Linse auf dem Auge sitzt. Bei kleineren formstabilen Hornhautlinsen beurteile ich unter anderem die Position, die Bewegung und die Flüssigkeitsverteilung unter der Linse. Bei Sklerallinsen kontrolliere ich besonders den Abstand zur Hornhaut und ihrem Rand sowie die Auflagezone nach ausreichender Tragezeit.
Wenn der Sitz geeignet ist, prüfen wir die Sehschärfe und bestimmen, ob die Linsenstärke noch verändert werden muss. Auch nach dem Absetzen schaue ich mir die Augenoberfläche erneut an. Bis die Versorgung gut passt, können mehrere Termine und Änderungen an der Linse nötig sein.

Auch nach der Abgabe bleiben Kontrollen wichtig

Sie lernen, wie Sie Ihre Linsen aufsetzen, abnehmen, reinigen und aufbewahren. Wir besprechen die passende Tragezeit und vereinbaren Nachkontrollen. Dabei vergleichen wir die Befunde mit den Ausgangswerten und prüfen Sehqualität, Linsensitz und Verträglichkeit. Bitte reiben Sie Ihre Augen möglichst nicht. Juckreiz und Allergien sollten gezielt abgeklärt und behandelt werden.

Besser sehen und den Verlauf im Blick behalten

Kontaktlinsen können das Sehen verbessern. Sie halten das Fortschreiten eines Keratokonus jedoch nicht auf. Deshalb bleiben regelmäßige augenärztliche Verlaufskontrollen wichtig, auch wenn Sie mit Ihren Linsen gut sehen. Ob ein Crosslinking sinnvoll ist, beurteilt der Augenarzt unabhängig vom Anpasserfolg. Diese Behandlung soll die Hornhaut stabilisieren und ein weiteres Fortschreiten bremsen oder aufhalten.
Bei Warnzeichen sofort reagieren: Wenn sich das Sehen plötzlich verschlechtert, das Auge schmerzt oder deutlich gerötet ist, nehmen Sie die Kontaktlinse ab und lassen Sie die Beschwerden umgehend augenärztlich abklären.
Mein Ziel ist eine Versorgung, mit der Sie im Alltag möglichst gut sehen, die Ihre Augen vertragen und bei der Sie wissen, welche Kontrollen als Nächstes anstehen.
Mehr zu Kontaktlinsen im Allgemeinen, zur Anpassung und zur Pflege erklärt der Übersichtsartikel.
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Wichtiger Hinweis (Medizinischer Disclaimer): Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Aufklärung und allgemeinen Information. Ein optometrisches Screening ist eine physikalisch-technische Funktionsprüfung und stellt keine medizinische Diagnose oder Therapie dar. Bei akuten Beschwerden, Schmerzen oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.

Fachliche Grundlagen

AAO: Corneal Ectasia Preferred Practice Pattern. Leitlinie, Ophthalmology, 2024.
Gomes et al.: Global Consensus on Keratoconus and Ectatic Diseases – Edition 2. Internationaler Expertenkonsens, 2026.
Wolffsohn et al.: TFOS DEWS III Diagnostic Methodology. Evidenzbasierter Konsensusbericht, 2025.