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Checkliste: Trockene Augen am Bildschirm

Praktischer Leitfaden und Präventionsempfehlungen
Gastartikel
Gastbeitrag von Fritz Passmann, Augenoptikermeister, freiberuflicher Dozent und langjähriger Leiter des Fachbereichs Augenoptik an der Handwerkskammer Dortmund. Bekannt als Experte für Binokularsehen, Refraktion und Mitentwickler des PASKAL 3D-Erlebnis-Sehtests.
Zu sehen ist Fritz Passmann, Augenoptikermeister, freiberuflicher Dozent und langjähriger Leiter des Fachbereichs Augenoptik an der Handwerkskammer Dortmund. Bekannt als Experte für Binokularsehen, Refraktion und Mitentwickler des PASKAL 3D-Erlebnis-Sehtests.
Als Augenoptikermeister und langjähriger Dozent für Augenoptik begegnet mir das Thema trockene Augen in der Praxis und in der Ausbildung ständig. Besonders die Arbeit am Bildschirm hat die Häufigkeit spürbar erhöht: Beim konzentrierten Blick auf Monitor oder Smartphone sinkt die Lidschlagfrequenz deutlich, viele Lidschläge bleiben dabei unvollständig. Der Tränenfilm wird dadurch nicht mehr richtig verteilt, was besonders häufig in die sogenannte evaporative Form des trockenen Auges führt — eine zu schnelle Verdunstung der Tränenflüssigkeit.
Trockene Augen sind keine Bagatelle, sondern eine chronische Störung der Augenoberfläche mit entzündlicher Komponente. Halten Beschwerden wie Brennen, Rötung, ein Fremdkörpergefühl oder schwankende Sehschärfe an, lohnt sich eine fachlich strukturierte Abklärung bei einem spezialisierten Augenoptiker oder Optometristen.
Für den Alltag habe ich die wichtigsten Präventionsmaßnahmen in der folgenden Checkliste zusammengefasst.

1. Sehpausen und Blinzel-Gewohnheiten

Die 20-20-20-Regel konsequent anwenden

Alle 20 Minuten für etwa 20 Sekunden in eine Entfernung von mindestens 20 Fuß (ca. 6 Meter) schauen. Dies entspannt die Akkommodationsmuskeln des Auges und stabilisiert die Befeuchtung der Augenoberfläche.

Bewusstes und vollständiges Blinzeln trainieren

Einen vollständigen Lidschlag ausführen, bei dem sich die Ober- und Unterlider kurz berühren. Nur der vollständige Lidschlag drückt mechanisch das Meibum-Sekret aus den Meibom-Drüsen und verteilt die schützende Lipidschicht gleichmäßig über dem wässrigen Tränenfilm.

2. Arbeitsplatz-Ergonomie und Raumklima

Raumluft optimieren und Zugluft meiden

Regelmäßiges Stoßlüften hält das Raumklima angenehm. Direkte Zugluft von Klimaanlagen oder Ventilatoren sowie extrem trockene Heizungsluft, insbesondere im Winter, verstärken die Verdunstung und sollten vermieden werden.

Bildschirmhöhe und Blickwinkel ergonomisch anpassen

Den Monitor so positionieren, dass der Blick leicht nach unten geneigt ist (ca. 10–20 Grad). Durch den gesenkten Blick verkleinert sich die sichtbare Lidspalte, wodurch weniger Augenoberfläche der Luft ausgesetzt ist.

3. Tägliche Pflege und Lebensstil

Strukturierte Lidrandpflege durchführen

Feuchte, warme Kompressen (ca. 40–45 °C) auf die geschlossenen Augen legen, um eingedicktes Sekret in den Meibom-Drüsen zu verflüssigen. Anschließend die Lidränder sanft ausstreichen, um die Drüsenfunktion zu regenerieren.

Flüssigkeitszufuhr und Ernährung (Omega-3)

Über den Tag verteilt ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee trinken. Zudem die gezielte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren berücksichtigen, da diese die Qualität des Meibom-Gland-Sekrets positiv beeinflussen.

Kontaktlinsen kontrollieren und Tragezeiten anpassen

Beim Tragen von Kontaktlinsen am Bildschirm die Tragezeiten bewusst begrenzen. Den Sitz und die Verträglichkeit der Linsen regelmäßig vom Augenoptiker oder Optometristen überprüfen lassen.

4. Akuthilfe bei Beschwerden

Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel verwenden

Bei akutem Trockenheits- oder Fremdkörpergefühl Befeuchtungstropfen ohne Konservierungsstoffe nutzen. Konservierungsmittel können bei häufiger Anwendung das Hornhautepithel und den Tränenfilm zusätzlich reizen.

Wann ist eine professionelle augenoptische Abklärung sinnvoll?

Wenn Beschwerden wie Brennen, Rötungen, Fremdkörpergefühl ("Sandkorngefühl") oder schwankende Sehschärfe regelmäßig auftreten oder anhalten, sollte eine standardisierte Untersuchung durchgeführt werden. Das trockene Auge ist keine Bagatelle, sondern eine chronische Störung der Augenoberfläche.
Wichtige augenoptische Messverfahren zur Abklärung:
  • BUT / NIBUT: Messung der Tränenfilm-Aufreißzeit (Stabilität des Tränenfilms)
  • Meibographie: Bildgebende Analyse der Meibom-Drüsenstruktur (Erkennung von Atrophie/Gewebeschwund)
  • Tränenmeniskushöhe und Osmolarität: Bestimmung von Tränenvolumen und Salzkonzentration
  • OSDI-Fragebogen: Validierte Erfassung der subjektiven Beschwerdeintensität
Optikersuche-Ratgeber hilft Menschen mit Sehproblemen dabei, moderne Augenoptik zu verstehen, informierte Entscheidungen zu treffen und qualitätsorientierte Augenoptiker ihres Vertrauens zu finden.
Wichtiger Hinweis (Medizinischer Disclaimer): Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Aufklärung und allgemeinen Information. Ein optometrisches Screening ist eine physikalisch-technische Funktionsprüfung und stellt keine medizinische Diagnose oder Therapie dar. Bei akuten Beschwerden, Schmerzen oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.
Quellen: Tear Film & Ocular Surface Society, TFOS DEWS II (2017); Nichols KK et al., Report of the Definition and Classification Subcommittee of the International Workshop on Meibomian Gland Dysfunction, 2011; Schiffman RM et al., Reliability and Validity of the Ocular Surface Disease Index (OSDI), 2000