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„Für eine Untersuchung des Augenhintergrundes ist er/sie doch viel zu jung"

Warum das Alter kein Grund ist, bei unklarer Sehminderung auf einen Blick auf die Netzhaut zu verzichten
Gastartikel
Gastbeitrag von Hannes Ebner, Optometrist (HWK)
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Gastautor: Hannes Ebner, Optometrist (HWK)
Und genau darin liegt ein Denkfehler. Denn auch junge Menschen können Veränderungen an der Netzhaut haben, die sich nicht einfach mit einer neuen Brille erklären lassen.

Ein Beispiel: Morbus Stargardt

Ein gutes Beispiel dafür ist der Morbus Stargardt, eine hereditäre, also erblich bedingte, Makuladystrophie. Sie wird häufig bereits im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter symptomatisch.
Die Beschwerden können zunächst unspezifisch sein:
  • der Visus ist schlechter als erwartet
  • Lesen oder das Erkennen feiner Details fällt schwerer
  • Blendung wird stärker wahrgenommen
  • Farben wirken verändert
  • oder im Zentrum des Gesichtsfeldes entstehen Einschränkungen

Wenn die Refraktion allein nicht weiterhilft

Und dann passiert schnell etwas, das wir aus der Praxis kennen: Die Refraktion wird erneut überprüft. Noch einmal optimiert. Vielleicht noch einmal verändert. Aber der Visus bleibt hinter dem zurück, was man eigentlich erwarten würde. Genau dann sollte man weiterdenken.
Beim Morbus Stargardt können sich im Verlauf charakteristische Veränderungen im Bereich der Makula und des retinalen Pigmentepithels zeigen, beispielsweise gelblich-weiße Flecks oder atrophische Veränderungen.

Warum ein kurzer Blick auf den Augenhintergrund nicht reicht

Doch es gibt einen wichtigen Punkt: Auch eine Funduskopie, die Untersuchung des Augenhintergrundes, kann im frühen Stadium noch weitgehend unauffällig sein. Das bedeutet: Ein kurzer Blick auf den Augenhintergrund reicht nicht immer aus.
OCT und Fundusautofluoreszenz können zusätzliche Informationen liefern und Veränderungen sichtbar machen, die bei der reinen Fundusbetrachtung noch diskret oder nicht eindeutig erkennbar sind.
Und trotzdem gilt: Ein unauffälliges Screening schließt eine Netzhauterkrankung nicht sicher aus. Ergeben sich Hinweise auf eine hereditäre Netzhauterkrankung, gehört die weitere ophthalmologische Abklärung in entsprechend spezialisierte Hände.

Was das für die Praxis bedeutet

Für mich als Optometrist ist deshalb ein Punkt besonders wichtig: Das Alter entscheidet nicht darüber, ob wir genauer hinschauen sollten. Die Beschwerden und die erhobenen Befunde tun es.
Ein junger Mensch mit reduziertem oder nicht plausibel erklärbarem Visus ist nicht automatisch einfach „schwierig zu refraktionieren". Manchmal liegt die entscheidende Auffälligkeit am Augenhintergrund. Und manchmal braucht es mehr als nur den Blick darauf.
Gutes optometrisches Screening bedeutet deshalb nicht, möglichst viel zu messen. Es bedeutet, Auffälligkeiten zu erkennen, Befunde richtig einzuordnen und zu wissen, wann eine weitere ophthalmologische Abklärung notwendig ist.
Mehr dazu, worauf es beim Myopie-Management bei Kindern grundsätzlich ankommt, erklärt der Übersichtsartikel.
Wichtiger Hinweis (Medizinischer Disclaimer): Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Aufklärung und allgemeinen Information. Ein optometrisches Screening ist eine physikalisch-technische Funktionsprüfung und stellt keine medizinische Diagnose oder Therapie dar. Bei akuten Beschwerden, Schmerzen oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.